lebenslauf


Vom Schüler zum Lehrer

Heinrich Rodenstein wurde am 12. Januar 1902 in Braunschweig geboren. Er wuchs in einer Arbeiterfamilie auf. Mit sechs Jahren wurde er in die Untere Bürgerschule Pestalozzistraße in Braunschweig eingeschult. Vier Jahre später, zu Ostern 1911, wechselte er als "Freischüler", d.h. er war schulgeldfrei und bekam freie Lernmittel,  in die 5. Klasse des Städtische Knabenmittelschule am Augustplatz in Braunschweig. Ab 1913 war er sogenannter "Herzogsschüler". Sein Vater erhielt vom Herzoglichen Marschallamt des Herzogs von Braunschweig vierteljährlich eine Erziehungsbeihilfe von 100,00 Mark und alle Ausgaben für Lernmittel zurück erstattet. Am Ende der 10. Klasse schloss er 1917 die Schule mit der damals üblichen Prüfung zum Nachweis der Befähigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst ab. Der Abschluss der Mittelschule bedeutete damals noch nicht die "Mittlere Reife", auch "das Einjährige" genannt. Diese Prüfung musste gesondert vor einer Prüfungskommission von Offizieren abgelegt werden, die in der Regel im Zivilberuf Studienräte waren. Von den 21 Prüflingen bestanden nur er (als weit aus Jüngster) und drei weitere die Prüfung. Das Bestehen wurde nicht mit einem vollständigen Zeugnis, sondern nur mit einer Bescheinigung bestätigt. Das vollständige Zeugnis würde er erhalten, wenn sich sein Vater schriftlich verpflichtet hätte, die Uniformkosten des "Einjährigen" zu tragen. Der Vater wollte dies tun, Heinrich Rodenstein wollte das jedoch nicht. Der 1. Weltkrieg hatte ihn bereits geprägt.


Diensttauglich für das Militär 1917

1917 wechselte Rodenstein in die 5. Klasse des Herzoglichen Lehrerseminars in Braunschweig. Es handelte sich damals um eine Elite-Schule für Kinder kleiner und kleinster Braunschweiger Leute, das nur jeden 5. Bewerber, alle aus der Stadt Braunschweig, aufnahm.  Das Seminar umfasste die Klassen 6 bis 1. Die Bewerber für die 6. Klasse kamen ausschließlich aus Volksschulen. Wer den Abschluss der Mittelschule (ab 1917) hatte, trat in die 5. Klasse ein. Mit dem "Einjährigen" kam man in die 3. Klasse. Wenig später verwies ihn der Leiter des Seminars wegen körperlicher Unreife in die 5. Klasse. Im Frühjahr 1922 legte Heinrich Rodenstein die Erste Lehrerprüfung für das Lehramt an Volksschulen ab.

Alle Seminaristen, die im Frühjahr 1922 die erste Lehrerprüfung abgelegt hatten, blieben zunächst stellungslos. Alle verfügbaren Stellen wurden an die aus Krieg und Gefangenschaft heimgekehrten und in Sonderkursen zur Prüfung geführten Seminaristen gegeben. Nach einer Übergangszeit mit verschiedenen Tätigkeiten in verschiedenen Betrieben - (April bis Mai 1922 bei Firman Amme, Giesecke und Konegen Mühlenbau, heute Bühler-MIAG, als kaufmännischer Angestellter; Juli 1922 beim Schacht "Einigkeit", Kalibergbau in Ehmen bei Fallersleben als Arbeiter) -  erhielt er zu 1. August 1922 eine Anstellung als Hilfslehrer (weil ihm die Zweite Lehrerprüfung noch fehlte) bei der Stadt Braunschweig, die er bis 1925 behielt. Zu Ostern 1925 wechselte er für ein Schuljahr nach Wolfshagen, wo er auch die 2. Lehrerprüfung ablegte. Zu Ostern 1926 wurde er nach Schöningen versetzt. Dort wurde er sogleich politisch aktiv und wurde in den Stadtrat von Schöningen gewählt.  Nach seiner Berufung zum Beamten auf Lebenszeit am 01.04.1927 wechselte Rodenstein zu Ostern 1928 wieder in den Schuldienst der Stadt Braunschweig. Im Juli 1933 wurde er von den Nazis aus dem Schuldienst entlassen.

 
Die Geschwister Rodenstein 1926

Im Juli 1933 begann die Emigration mit dem Fahrrad über Holland ins Saargebiet. Er lebte dort bis 1935. Nach der Saarabstimmung ging er nach Paris. Mit der deutschen Besetzung Franksreichs zog er 1939 nach Revel und lebte dort von vielen Gelegenheitsarbeiten bis zum Sommer 1945.

Nach der Rückkehr aus der Emigration wurde Heinrich Rodenstein zum 1. Oktober 1945 als Hilfslehrer eingestellt und gleichzeitig mit einem Lehrauftrag für "Staatsbürgerkunde" in die Lehrerbildung an die Kanthochschule abgeordnet. Die in der Verwaltung noch ungeübten neuen Kollegen hatten ihm als erstes die Abordnung zugestellt. Erst auf seinen Hinweis, dass man einen Hinausgeworfenen doch zunächst wieder einstellen müsse, ehe man ihn abordne, führte zur Wiedereinstellung.

Am 1. Februar 1946 wurde Heinrich Rodenstein wieder in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit berufen und zum (Volksschul-)Rektor ernannt. Die Beförderung zum Studienrat und Dozent an der Pädagogischen Hochschule Braunschweig erfolgte zum 1. April 1947. Am 16. März 1948 erhielt er die Berufung zum Professor (H 4).

Am 3. August 1946 gründete Heinrich Rodenstein gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Zeit vor 1933 den "Gesamtverband Braunschweigischer Lehrer".

Im Oktober 1946 ruft er auf einer gemeinsamen Konferenz mit Vertretern anderer niedersächsischer Lehrerverinigungen zur Gründung eines "Allgemeinen Deutschen Lehrer- und Lehrerinnen-Verbandes (Britische Zone) aus, der dann auch am 9./10. Januar 1947 in Detmold gegründet wurde. Darin wurde er zum Zweiten Vorsitzenden gewählt.

Vom 17. Mai 1948 bis zum 30. September 1955 war er Direktor der Pädagogischen Hochschule Braunschweig (Kanthochschule).

Im Mai 1948 wurde seine Arbeit um die Anerkennung der GEW mit dem Beschluss des Deutschen Gewerkschaftsbundes gekrönt: Die Aufnahme der GEW in den DGB.

Von 1955 bis 1957 war Heinrich Rodenstein Präsident der "Internationalen Vereinigung der Volksschullehrer-Verbände" - (F.I.A.I. - I.F.T.A.).

Von 1966 bis 1972 war Rodenstein Präsident des "Internationalen Berufssekretariats der Lehrer" im "Internationalen Bund Freier Gewerkschaften".

Am 1. September 1968 wurde Heinrich Rodenstein emeritiert. Bis September 1975 arbeitete er noch gelegentlich in Prüfungsausschüssen und Berufungskommissionen mit.   

Am 22. Dezember 1980 starb Heinrich Rodenstein in Braunschweig.

Die Darstellung der beruflichen Tätigkeit, besonders in hochschulpolitischer Sicht, hat Karl Zietz in dem Heft "Kleine Chronik der Pädagogischen Hochschule", Verlag Waisenhausdruckerei, 1967, als Heft 14 der Schriftenreihe der Pädagogischen Hochschule Braunschweig, dargestellt.

C.W. Zöllner hat das Wirken Heinrich Rodensteins im "Braunschweigisches Jahrbuch", Band 53, 1972 des Braunschweigischen Geschichtsvereins, Forstweg 2, Wolfenbüttel, nachgezeichnet. Titel: "Neue Wege an der Kant-Hochschule in Braunschweig".

 

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