jugendorganisation


Mitglied in einer Jugendorganisation

"Im Sommer 1920 geriet ich rein zufällig in die "Freie Sozialistische Arbeiterjugend" in Braunschweig. Ich war 18 Jahre alt und Seminarist der 2. (vorletzten) Klasse. Die "FSAJ" war aus dem "Bildungsverein jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen" hervorgegengen.

Außer der Teilnahme an den faszinierenden Lebensformen gewann ich in diesem Jugendverband eine große Ausweitung meines Interesses und meines Wissens. In den Jahren 1920 bis 1922 ist aus der "FSAJ" ein Ortsverband des "Kommunistischen Jugendverband Deutschlands" geworden. Diese Entwicklung in Braunschweig lief parallel zur Spaltung der U.S.P.D. (Halle 1921) im Reich. Zu keinem Zeitpunkt war die Braunschweiger Jugendorganisation eine Partei-Jugend. Sicher fühlte sie sich der Russischen Oktoberrevolution zutiefst verbunden, weil sie sie vor allem als welthistorisch bedeutsame Befreiungsbewegung und weniger als Herrschaftstyp verstand und empfand. Sie blieb "Jugendbewegung". Es gab Zither-, Mandolinen- und Geigengruppen. Landsknechts- und Loenslieder wurden kernig und innig immer wieder gesungen. Wandern in zünftiger Kluft, Lagerfeuer, Volkstanz und Übernachten im Heu, im Freien oder im Zelt gehörten zum Lebensstil. Alkohol und Nikotin waren streng verpönt. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander war "frei", aber in der Regel streng monogam.

Wahrscheinlich stellte diese Jugendorganisation den stärksten Bildungsfaktor meines Lebens dar, stärker als Familie, Schule und Beruf.

Ich bekam nun die revolutionären Bewegungen vom Spartakus-Aufstand in den Blick und lernte die sozialkritische Literatur Zolas und Andersen-Nexös kenne. Vor allem aber beschäftigte ich mich gründlich mit dem Marxismus und allen ihren Vertretern. Diese fünf Jahre von 1920 bis 1925 haben meine Lebensauffassung und damit meinen Lebensweg entscheidend mitgeprägt."

Über die Arbeit Rodensteins in der Jugendorganisation beschreibt Christian Zöllner die Entwicklung der "Kommunistischen Jugendbewegung  in der Stadt Braunschweig während der Stalinisierungsphase von 1924 bis 1929".

Darin beschreibt er, aus welchen Gründen die Jugendbewegung sich der Entwicklung zur straff organisierten Kaderpartei widersetzte. Der Einfluss der Mitgliedschaft und ihr Mitspracherecht in Versammlungen und Konferenzen wurde systematisch zurückgedrängt. Hauptamtliche Funktionäre (aus dem Bezirk Hannover) gestalteten im wesentlichen das Parteileben. Die Mehrzahl der Mitglieder zog sich aus der aktiven Parteiarbeit zurück und verharrte in passiver Haltung. Parallel dazu nahm die Einflussnahme der Vertreter des ZK und des Politbüros, hier vor allem durch die Bezirksleitung Hannover, in sämtlichen Bereichen der inneren Parteitätigkeit zu. Rodenstein leitete damals die Jugendgruppe. Sie hatte beschlossen, sich diesen Veränderungen nicht zu unterwerfen. Folglich wurden die meisten Mitglieder dieser Jugendgruppe zwischen 1928 und 1929 aus der KPD ausgeschlossen.

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