ehrenvorsitzender


Die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden der GEW erfolgte am 5. Juni 1968 auf dem Gewerkschaftskongress in Nürnberg.

Aus dem Protokoll der GEW:

Erich Frister:
"Kollege Hauptmannl - als der Dienstälteste und zugleich als der Vorsitzende des gastgebenden Landesverbandes Bayern wird nunmehr die Ernennung auf Grund Ihres einmütigen Beschlusses vollziehen."

Hauptmannl (Bayern):

"Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich darf die

Ehrenurkunde,

die ich anschließend dem Kollegen Rodenstein überreichen darf, verlesen:

"GEWERKSCHAFT ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT

Professor an der Kant-Hochschule in Braunschweig,
wird auf Beschluss der Vertreterversammlung zum

Ehrenvorsitzenden

der Gewerkchaft Erziehung und Wissenschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund ernannt.

Die in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vereinigten deutschen Lehrer und Erzieher wollen damit ein Zeichen ihres Dankes und ihrer Anerkennung setzen für den Kollegen Heinrich Rodenstein, der an dem Wiederaufbau einer wirkungsvollen Organisation der Lehrer und Erzieher nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidenden Anteil hatte.

Heinrich Rodenstein bestimmte als Zweiter Vorsitzender seit der Gründung und als Erster Vorsitzender seit 1960 mit Weitsicht und Tatkraft die Entwicklung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zur größten Organisation der Lehrer und Erzieher in der Bundesrepublik Deutschland.

Nürnberg, den 5. Juni 1968"

Auszüge aus der Laudatio von Erich Frister:

"... Heinrich Rodenstein hat für uns alle Maßstäbe gesetzt. Das wichtigste in seinem Wirken war, dass er nie dem bloßen Jetzt, dem bloßen Hier und Heute verhaftet war, sondern dass er immer den Blick in die Zukunft gerichtet hat, und dass er sich auch von Lächlern und Zweiflern nicht anfechten ließ bei dem weiten Blick voraus. Und es wäre heute in unserer Gesellschft einiges anders bestellt, wenn auch andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens immer Zukunftsvorstellungen von ihrem Verantwortungsbereich entwickelt hätten, so wie Heinrich Rodenstein dies getan hat.

Wer noch einmal das große und grundlegende Referat von dem Berliner Kongress der Lehrer und Erzieher von 1952 liest, (Grundsätze zur Neuformung des deutschen Bildungswesens), der wird feststellen, dass Heinrich Rodenstein damals das ausgesprochen hat, was heute noch gilt, von dem Einiges erreicht worden ist, von dem Vieles aber noch offen steht und wird feststellen, welche Diskrepanz zwischen dieser richtigen Voraussage und der politischen Einsicht in unserem Lande herrscht. ...

... Es ist nicht möglich, das Wirken Heinrich Rodensteins in seiner Gänze in unserem Verband hier zu beschreiben. Es war ihm immer sein Anleigen - und auch hier war es ein Punkt, wo er weit vorauseilte - die Lehrerschaft aus einer gesellschaftlichen Isolierung zu befreien. ...

... Und auf ihn geht die Gründung der september-gesellschaft zurück, in der unser Verband, die Arbeitgeberverbände, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Landwirtschaft  hervorragend präsentiert waren. Und aus dieser september-gesellschaft sind entscheidende Durchbrüche in der bildungspolitischen Situation in der Bundesrepublik des letzten Jahrzehnts gelungen. ...

... Und auf ihn geht auch die Initiative zur Errichtung der Max-Traeger-Stiftung zurück. Heute ist es in der Bundesrepublik selbstverständlich, dass empirische pädagogische Forschung betrieben wird, dass pädagogische Forschung ein Teil der empirischen Sozialforschung geworden ist.
Als Heinrich Rodenstein vorschlug, die Max-Traeger-Stiftung zu gründen, war das noch keine Selbstverständlichkeit. Wir wussten zwar, dass wir mit unseren bescheidenen Mitteln nur einen bescheidenen Beitrag zur pädagogischen Forschung leisten können, aber wir haben einen Durchbruch geleistet und auch hier dazu beigetragen, dass sich dieser Gedanke verbreitet. ...

... Es wäre unvollständig, Heinrich Rodenstein zu würdigen, wenn man nicht seine aus tiefstem Herzen, dennoch aus einer kühlen politischen Einsicht entspringenden Bemühungen um ein gutes Verhältnis der deutschen Lehrerschaft zur Lehrerschaft im Ausland heraussstellte. Und hier war sein Anliegen insbesondere die Herstellung eines guten Verhältnisses zu der Lehrergewerkschaft in Israel. Ich brauche nicht zu erwähnen, welche Schwierigkeiten, aber auch welche Bedeutung es hatte und wie glücklich wir alle sein durften, dass wir in Heinrich Rodenstein jemand an der Spitze hatten, der von der Person her in der Lage war, diese Brücke zu schlagen. ...

...  Und eines der wichtigsten, wesentlichsten und politisch bedeutsamsten, repräsentativsten Anliegen dabei war die Herstellung guter, anmessener Beziehungen zur Lehrerorganisation in Israel. Vor wenigen Tagen habe ich ein Schreiben des Generalsekretärs der Israel Teachers Union bekommen. Shalom Levin, der uns mitteilt, dass in Israel eine Anpflanzung von tausend jungen Bäumen zur Ehre des Kollegen Heinrich Rodenstein vorgenommen wird. Herr Kollege Levin schreibt dazu, dass ein Monument errichtet werden soll, das den Namen Heinrich Rodenstein trägt. Und er sagt: "Die Aktivitäten, die Heinrich Rodenstein entwickelt hat, um die Verbindungen zwischen den Lehrern in Israel und denen in Deutschland wieder anzuknüpfen, entsprangen einem tiefen Gefühl menschlicher Verantwortung und sind in Israel hoch geschätzt worden." und er beendet seinen Brief mit der Feststellung, dass seine Kollegen und er selbst sehr froh darüber sind, dass sie dieses Werk der Ehrung in Israel vollbringen können. ..." 

Aus der Antwort Heinrich Rodensteins:

"Ich habe nicht die Absicht, eine lange programmatische Abschiedsrede zu halten. Ich glaube, Sie haben mich oft genug gehört. Ich möchte Sie aber doch bitten, zunächst einmal meinen Dank für die außergewöhnliche Ehrung entgegenzunehmen, aber damit auch eine Warnung zu verbinden. Glauben Sie nicht alles, was Kollege Frister an Menschlichem und Übermenschlichem über mich gesagt hat. Bei solcher Gelegenheit muss man natürlich, das gebietet der menschliche Anstand, alles nur Auftreibbare zusammensuchen. Streichen Sie zwei Drittel davon weg, und zu dem restlichen Drittel möchte ich auch noch etwas sagen:
Es ist keinem Menschen gegeben, allein auch nur einen Bruchteil dessen zu tun, was Kollege Frister mir hier alles angelastet hat. Das war nur möglich dank Ihrer aller Hilfe, dank Ihrem Vertrauen, das Sie mir ja immer wieder entgegengebracht haben. Ich frage mich auch manchmal, warum eigentlich; denn wir haben uns ja gelegentlich auch aneinander geärgert. Und so weit ich die Vertreterversammlung jemals Anlass zum Ärger gegeben haben sollte, möchte ich Ihnen aber gestehen, Sie haben mich auch gelegentlich geärgert, und ich verzeihe Ihnen als Gegengabe auch.

Ich möchte auch noch die Illusion  zerstören, als ob die Arbeit, die unsereiner tut, blankes Opfer wäre. Ich verdanke auch meiner Tätigkeit in der GEW und für die GEW unsagbar viel, die Bekanntschaft mit vielen interessanten und wertvollen Menschen, das sich selbst immer wieder Bestätigen an neuen, ungewohnten und nicht immer leichten Aufgaben, die Gelegenheit, weit über die Grenzen unseres geliebten Vaterlandes hinaus Menschen, Verhältnisse, Probleme kennenzulernen. Das alles verdanke ich der GEW. So weiß ich nicht genau, wer in wessen Schuld steht. Dass ich in hohem Maße auch in der Schuld der GEW stehe, das weiß ich allerdings genau. Herzlichen Dank für das Übermaß an Ehrung."

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