domanialschulen


 

Domanialschulen

Nach meiner Ankunft in Saarbrücken informierte mich ein Kollege der Gewerkschft über die "Ecoles Domaniales". Als Bestandteil der (französischen) Grubenverwaltung richteten die Franzosen nach der Übernahme der Verwaltung des Saarlandes - zunächst nur für die Kinder der Grubenverwaltung, sehr bald aber für alle Kinder des Saarlandes - eigene Schulen, die "Ecoles Domaniales", ein. Vom 3. Schuljahr an wurde in diesen Schulen intensiv Französisch unterrichtet. Zweifellos stellten diese Schulen eine kulturpolitische Flankierung der franzßsisch annektionistischen Politik dar.

In den Jahren der großen deutschen Inflation (1921 - 1923) und in den Krisenjahren ab 1929 warb die französische Grubenverwaltung auch handfest für die "Ecoles Domaniales". Es scheint, dass zeitweilig ein Drittel aller Schüler im Saargebiet die Domanialschulen besucht hat. Je näher der Abstimmungstermin 15. 1. 1935 rückte, desto intensiver wurde die Propaganda "Heim ins Reich". Schon die Weimarer Republik hatte ein höchst wirkungsvolles System von Subventionen für alle "deutschen" Vereine geschaffen. Auch die mächtigste Presse im Saargebiet (Saarbrßckener Zeitung) war von der Weimarer Republik geschaffen und mit einem klotzig repräsentativen Gebäude im Herzen Saarbrückens ausgestattet worden. Im Januar 1933 wurde der Endkampf an der Saar zu einem Delirium. Die von der Weimarer Republik geschaffenen Instrumente dienten nun dem Nationalsozialismus. Die Domanialschulen schrumpften zusammen. Unter der aufgeheizten öffentlichen Meinung trauten sich nur noch wenig Saarländer, ihre Kinder in die "Franzosenschulen" zu schicken. Auch in die deutschen Schulen an der Saar zog der NS-Geist mit Vehemenz ein.

Damit wandelte sich auch die stark verminderte Schülerschaft der Domanialschulen. Neben die Kinder der echten "Francophilen" traten jetzt die Kinder aller NS-Gegner der status-quo-Anhänger, besonders der Juden, der Sozialisten und Kommunisten aller Schattierungen. Die Grubenverwaltung musste auch Acht geben, dass nicht Nazi-Lehrer an die Domanialschulen gelangten.

Am 15. 1. 1935 fand die Volksabstimmung im Saargebiet statt. Sie erbrachte eine überwältigende Mehrheit für die Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich. Ab 21 Uhr herrschten praktisch die Nazis auch an der Saar. Ich hatte den Ausgang immer erwartet, wenn auch nicht ganz in dieser Höhe. Schon am Abend des 15. Januar 1935 und die ganze darauf folgende Nacht hindurch setzte eine panikartige Flucht der Rückgliederungsgegner ein.
Am nächsten Tag, dem 16. 1. 1935, kam kein Kind mehr in die Domanialschule in Saarlouis.

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