bundesverdienstkreuz


Das Verfahren

Der Niedersächsische Ministerpräsident erstellt die Vorschlagsliste mit der laufenden Nummer 653 für die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in Hannover am 6. Dezember 1968 und unterschreibt sie.

Der Vorschlagsliste wird eine Vorschlagsbegründung beigefügt. Im Falle Rodenstein stimmt die Begründung wörtlich mit dem Text der Laudatio zur Verleihung des Niedersächsischen Verdienstordens überein.

Die Ordenskanzlei des Bundespräsidialamtes schlägt nach der Prüfung und Bearbeitung dem Bundespräsidenten am 12. Dezember 1968 die zu Ehrenden vor.

Der Bundespräsident verfügt am 14. Dezember 1968 die Verleihung. Es gibt keine namentliche Nennung, sondern eine Aufzählung der Antragsteller und der Listennummern.

Die Verfügung wird unterschrieben. 

Der Bundesprädidenten
gez. Lübke

Der Bundeskanzler
gez. Kiesinger

Der Bundesminsiter des Innern
gez. Benda

Der Chef des Bundespräsidialamtes
gez. Dr. Berger

Der Verdienstorden wird am 12. Januar 1969 durch einen Beauftragten der Niedersächsischen Landesregierung überreicht. Die Laudatio dazu ist verloren gegangen.

Die Niedersächsische Staatskanzlei teilt am 3. Juli 1969 mit, dass die Auszeichnung mit dem Grooen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in der Nr. 107 des Bundesanzeigers veröffentlicht ist.

 

Der Ausgezeichnete antwortete mit folgenden Worten

"... und hatte Bänder auf dem Kleide,
hatt' auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister.
Und hat einen großen Stern ..."

"Der also sang, war Mephisto; der so Besungene gehörte zur Kategorie des Ungeziefers. Es war ein Floh. Der Dichter wurde Minister und trug, zumindest auf dem zweiten von Gerhard von Kögelgen 1810 geschaffenen Ölgemälde, einen großen Stern.

Es ist also keine auf unsere Gegenwart beschränkte Erscheinung, dass die Verleihung und die Annahme von Orden und Ehrenzeichen kritisch diskutiert werden.

Mancherlei Erfahrung könnte rechtfertigen, die Problematik der Orden und Ehrenzeichen nach denselben Maßstäben zu messen wie etwa Geldumlauf und Währungshärte.

Ungeniert sprach und spricht man von Ordensinflation und ebenso unbekümmert von ungedecktem Ordensbedarf. Wie im Verhältnis zum Geld gibt es Asketen und Raffer.

Die Laudatio, die wir gehört haben, spricht mehrfach von Verdiensten. Entkleiden wir diesen Ausdruck seines wertenden, subjektiven Gehaltes, so könnten etwa Leistungen bleiben.

Aber auch die Leistung sollte rechtschaffen ehrlich gesehen werden. Was immer man auch tut, geschieht im wesentlichen als Ausfluss dessen, was man ist. Man ist, was man wurde. Man wurde, was man in hohem Maße zu werden gezwungen war. Insofern ist auch Leistung nicht unbedingt Verdienst, sondern vor allem Selbstentfaltung und Selbstbestätigung. Das aber ist im Grunde kein Verdienst mehr.

Auch ist das, was man gemeinhin Leistung nennt, in der Regel nicht der Erfolg eines Einzelnen. In allem, was auf mein Haben-Konto gesetzt werden könnte, spiegelt sich doch nur die Leistung Vieler wider. So wollen Sie bitte verstehen, dass ich daran erinnere, dass an dem, wofür Sie mir heute Ehrung zuteil werden lassen, viele beteiligt sind. Im allgemeinen kann niemand Erfolg haben, wenn er nicht Resonanz, Beistand, Mithilfe, Kollegialität und Solidarität erfährt. Machiavelli hat unter den Grundkräften eines Volkes sehr mit recht auch die Fortuna genannt. Fortuna ist bei ihm die Gunst der Umstände. Es kann jemand noch so tüchtig, noch so ehrlich, noch so eifrig sein: bläst ihm der Wind der Ungunst ins Gesicht, muss er scheitern. So hat Friedrich der Große, der als Kronprinz den Anti-Machiavell schrieb und als regierender König von Preußen bewies, dass er Machiavelli nicht nur gelesen, sondern auch gut verstanden hatte, einen General, dem er Tüchtigkeit und Tapferkeit nicht absprach, mit der einzigen Begründung entlassen, der Mann habe kein Fortune. Fortune ist hier ganz im Sinne von Machiavellis Fortuna gemeint.

Nur die Fortuna einer fast schicksalhaften Vorbereitung auf die Aufgaben, die mir nach 1945 gestellt wurden und nur die Mithilfe Tausender von Lehrern und Erzieher konnten möglich machen, was hier als Verdienst und Leistuing registriert wurde.

In manchen Ländern ist es gute Übung, solche Auszeichnungen auch großen Gemeinschaften, wie Städten, Regimentern, zu verleihen. Wäre dieser Brauch auch hierzulande heimisch, so würde in diesem Augenblick nicht eine einzelene Person, sondern die Lehrer- und Erzieherschaft, ausgezeichnet, die sich - im Rahmen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenscht - unter Opfern und häufig genug auch unverstanden und sogar geschmäht, für die Jugend und die Zukunft unseres Volkes redlich abmühte.

Diese Sicht enthebt mich auch der Verpflichtung, die Frage zu beantworten, ob es überhaupt angemessen sei, solche Ehrungen anzunehmen. Mephistos Flohlied könnte abschrecken, des älteren Ministers Stern könnte zuraten.

Nicht ohne Grund sind auch befreundete repräsentative Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu diesem Festakt gekommen. Geehrt und ausgezeichnet werden die Lehrer und Erzieher unserer Bundesrepublik, die nach 1945 noch armseliger, betroffener und wehrloser als viele andere Gruppen unseres Volkes, sich dennoch zusammenfanden und in einer Zeit, als alles noch sinn- und hoffnungslos erschien, die Frage nach der Zukunft unseres Volkes und seiner Jugend stellten. Sie sind seitdem nicht müde geworden, Mitverantwortung für den Bereich zu tragen und zu fordern, in dem ihr Beruf sie ansiedelte. In diesem Namen und auch für meine Person danke ich für diese außerordentliche Ehrung."

 

 

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