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Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. 9. 1939 mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen erschütterte auch unsere Lebensbedingungen einmal mehr.
In Parsi herrschte Kriegsrecht. Die allgemeine Mobilmachung wurde angeordnet, strenge Verdunkelungsvorschriften erlassen. Eine Reihe von Fesselballons und mehrere Scheinwerfer überwachten Tag und Nacht den Himmel über Paris.  Auf Tausenden von Plakaten ordnete der Befehlshaber der Pariser Region an:
1. die Evakuierung von Paris von allen  Personen, die nicht durch Berufsarbeit oder andere zwingende Gründe verbleiben mussten. Insbesondere sollten nicht berufstätige Frauen mit Kindern Paris verlassen.
2. die Internierung aller deutschen und österreichischen Männer zwischen 16 und 65 Jahren im Stadion von Colombes ("Angehörige einer Nation, mit der sich die Französische Republik im Krieg befindet").

Am 2. September 1939 ging ich zur Mairie von Vincennes, wo man mich kannte, weil ich dort einige Monate zuvor zu Protokoll gegeben hatte, dass ich wünschte, dass meine Tochter eine Anwartschaft auf die französische Staatsangehörigkeit erhielte. Für mich selbst habe ich zu keinem Augenblick erwogen, die französische Staatsangehörigkeit zu beantragen. Ich betrachtete mich als einen vorübergehend in das Ausland Versprengten, nicht als endgültig Ausgewanderten.

Ich fragte, ob der Anschlag über die Internierung aller deutschen und österreichischen Männer auch mich beträfe. Die Antwort: formal ja. Ich würde aber nach wenigen Tagen wieder entlassen werden, da ich Vater eines Kindes mit Anwartschaft auf die französischen Staatsangehörigkeit sei. Geglaubt habe ich das nicht.

Aber zunächst:  Wohin mit Frau und sechs Monate altem Kind?     

Natürlich zurück nach Revel (Haute Garonne)!!! Dort kannte man uns, und wir hatten Bekannte. Dazu lag es weit entfernt von vorstellbaren Kriegsfronten.
 

Am 3. September 1939 fuhren Frau und Kind zurüch nach Revel. Auf den Pariser Bahnhöfen herrschte ein wildes Chaos. Evakuierung und allgemeine Mobilmachung hatten eine Panik ausgelöst. Die Fahrpläne der Eisenbahn waren völlig durcheinander. Ich wollte die Fahrkarten lösen und den Kinderwagen aufgeben.
Alle Abfertigungsstellen des "Gare d'Austerlitz" waren von solchen Menschenmassen umlagert, dass ich Stunden brauchte, um den Kinderwagen auzugeben und eine Fahrkarte zu ergattern. In der Zwischenzeit war ein Zug Richtung Orléans - Toulouse aufgerufen worden. Kurz entschlossen nahm meine Frau diesen Zug - ohne Fahrkarte, die sie nicht einmal nachzulösen brauchte. Mehr als zwei Stunden wartete ich noch am vereinbarten Treffpunkt. Erst dann konnte ich erfahren, dass in der Zwischenzeit ein Zug nach Toulouse abgegangen sei.

Nach einer aufregenden Fahrt mit Zwischenfällen kamen Frau und Töchterchen wieder in Revel an. und wurden zunächst von der saarländischen Familie Stein aus Spiesen bei Neunkirchen herzlich aufgenommen. Ich ging "nach Hause" und vernichtete alle Briefe und Paiere, vor allem Rundschreiben und das einzige Exemplar der Mitgliederliste der "Union des Instituteurs Allemands Emigrés".

Am nächsten Morgen vergewisserte ich mich in der Hauptgeschäftsstelle des "Syndicat National des Instituteurs" bei Georges Lapierres und seiner Sekretärin, dass auch dort alles, was mit deutschen Lehreremigranten zu tun hatte, vernichtet worden war.
Wie notwendig diese Vorsischtsmaßnahmen waren, sollte sich kaum ein Jahr später erweisen. Nach dem  militärischen Zusammenbruch Frankreichs und der Besetzung von Paris durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 drangen Gestapo-Leute in das Haus Mme Bomards ein, nahmen eine ganztägige Hausdurchsuchung vor und fragten unter massiver Einschüchterung nach mir. Die tapfere Frau erklärte - wie ich ihr für alle Fälle einmal geraten hatte - ich sei mit Frau und Kind etwa 14 Tage vor Ausbruch des Krieges nach Südamerika gereist. So berichtete mir Frau Bomard, als wir sie auf der Rückreise nach Braunschweig im Oktober 1945 noch einmal besuchten.

 

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